Theoretischer Hintergrund

Systemisch-konstruktivistisches Lernverständnis

Mit unserer Auffassung, dass Lernen ein selbstorganisierter Prozess ist, haben wir unseren wissenschaftlichen „Heimathafen“ in der systemisch-konstruktivistischen Pädagogik. Auch die Psychologie und die Neurowissenschaften spielen darin eine wichtige Rolle. Unser Lernmodell, das in unserer aktuellen Buchveröffentlichung näher erläutert wird, veranschaulicht die Eigenschaften des lernenden Menschen vor allem aus systemischer Perspektive:

Lernen ist die Anpassung natürlicher, selbstorganisierter Systeme an ihre Umwelt

Während der Titel dieses Modells noch ein abstraktes und universelles Lernverständnis transportiert, wird durch die näheren Beschreibungen (Kasten links) deutlich, wie stark ein Lernprozess von individuellen Faktoren abhängt.
Die konstruktivistische Grundaussage, dass der Mensch seine Welt individuell wahrnimmt, verarbeitet und repräsentiert, wird in folgender Grafik am Beispiel der „Denkmuster“ in Form eines Trugschlusses veranschaulicht:

Denkmuster des Lehrers

Ein vermeintlich guter Schüler ist in der Lage, die Denkstruktur des Lehrers zu verstehen, aufzubauen und selbst anzuwenden. Ein Schüler, der den Stoff anders strukturiert, gilt in dieser Grafik als schlecht. Der Konstruktivismus lehrt uns hingegen, dass Lernen nicht synchronisierbar ist und jeder Mensch seine ganz eigenen Wissensnetzwerke aufbaut.
Lehren muss deshalb bedeuten, jeden einzelnen Lernenden zu befähigen, Informationen so zu „portionieren“, dass sie zur individuellen Denkstruktur passen. Die Individualität bezieht sich dabei nicht nur auf die Inhalte, sondern z.B. auch auf die Erarbeitungszeit und die Verarbeitungstechniken.
Hier geht es nicht um Beliebigkeit und Zufall, sondern um das bewusste Arbeiten mit den Voraussetzungen des Einzelnen. Es geht darum, Individualität anzuerkennen und aktiv mit ihr zu arbeiten. Die externen Ziele, die durch Lehrpläne und Curricula vorgeschrieben sind, verlieren dadurch nicht ihre Wichtigkeit, sondern die individuellen Wege dorthin werden plan- und sichtbar.

Das systemisch-konstruktivistische Lernverständnis kommt bei uns nicht nur in Unterrichtssituationen zum Tragen, sondern wird auch konsequent in unserer eigenen Arbeit, in unseren Seminaren für Schulen und Betriebe und in organisationalen Entwicklungsprozessen wie z.B. der Schulentwicklung angewandt.