Abgrenzung und Definition
Selbstorganisiertes Lernen könnte einfach bedeuten, dass man sich die Lernmaterialien sowie den Zeitplan selbst organisiert.
Oder wäre das Selbstgesteuertes Lernen? Was ist dann eigentlich Selbstbestimmtes Lernen?
Diese Begrifflichkeiten werden in der pädagogischen Praxis oft vermischt oder synonym verwendet. In der Erziehungswissenschaft haben sie durchaus eine unterschiedliche Bedeutung:
- Selbstbestimmtes Lernen heißt, dass ein Mensch frei darüber entscheiden kann, was er lernt, an welchem Ort er lernt, mit welchen Methoden er lernt, mit wem er lernt usw. Schon deshalb, weil in den meisten Bildungseinrichtungen gesellschaftliche und inhaltliche Ziele verfolgt werden, kann dieser Vorstellung dort nicht entsprochen werden.
- Selbstorganisiertes Lernen ist vorrangig das individuelle Strukturieren von Lerninhalten, das nötig ist, um sie überhaupt aufnehmen zu können. Damit verbunden sind Lernumgebungen, die hierfür den notwendigen Rahmen schaffen.
- Dem Selbstgesteuerten Lernen liegen zum Teil ähnliche Beschreibungen zugrunde wie dem Selbstorganisierten Lernen. Wesentlich ist jedoch hier, dass der Lernende über Aufgaben und Methoden entscheidet.
Dr. Martin Herold entwarf vor knapp 30 Jahren ein didaktisches Konzept für die Umsetzung des Selbstorgansierten Lernens im Unterricht: SOL. Bei SOL wird Lernen als natürlicher Anpassungsprozess von lebenden Systemen an ihre Umwelt verstanden. Dieser erfolgt nach den Selbstorganisationsprinzipien: Zielorientierung, Selbstähnlichkeit und Selbstoptimierung. Was erst einmal sehr abstrakt klingt, hat für das Lernen eine ganz konkrete Konsequenz: Wissen kann niemals vermittelt oder gelehrt werden. Das Gehirn des Lernenden ist stets die letzte Instanz, die entscheidet, ob und was gelernt wird – aufgrund der eben genannten Prinzipien. Weil die Prinzipien der Selbstorganisation nicht nur für Schüler gelten, werden sie heute für alle Lernenden in Schule und Betrieb umgesetzt.
Entstehungsgeschichte
Selbstorganisiertes Lernen